

Sarah Schroeder
Jenne Mustermann
Wie gelingt kreative Selbstständigkeit, ohne sich selbst zu verlieren? Sarah Schroeder und Jenne Mustermann teilen ihre Erfahrungen zu Well-Being, Fokus und unternehmerischer Freiheit – und warum echte Kreativität Raum, Ehrlichkeit und innere Stärke braucht.
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Könnt ihr euch kurz vorstellen – wer seid ihr, was macht ihr beruflich und was hat euch in euren Bereich geführt?
Jenne Mustermann:
Ich bin Jenne, Gründerin von OH OH OM Ethical Sportswear, was aktuell mein Hauptprojekt ist. Nebenbei arbeite ich als Yogalehrerin. Davor habe ich als Modedesignerin in der klassischen Modeindustrie gearbeitet und brauchte immer wieder Auszeiten vom 9-to-5-Job. In dieser Zeit habe ich sehr viel Yoga praktiziert und irgendwann gemerkt, dass ich mit der Modebranche nicht mehr im Einklang bin.
Ich habe mir bewusst Auszeiten genommen, bin viel gereist, habe meine Yogapraxis vertieft und mich selbst besser kennengelernt. Danach habe ich meinen Job gekündigt und zunächst mein Yoga-Business aufgebaut. Mit der Zeit hat mir jedoch die kreative Arbeit gefehlt – und so bin ich zu meinen gestalterischen Wurzeln zurückgekehrt.
Die Gründung von OH OH OM war für mich die logische Konsequenz: Heute verbinde ich Yoga und mein eigenes Modelabel. Mal steht das eine mehr im Fokus, mal das andere – genau diese Kombination fühlt sich für mich stimmig an.
Sarah Schroeder:
Ich bin Kommunikationsdesignerin und habe mich über die Jahre auf Strategie und Branding spezialisiert, vor allem für Menschen und Marken aus der ethischen Lifestyle- und Well-Being-Branche. Mein Weg war zunächst klassisch: Designstudium, verschiedene Art-Director-Positionen, dann der Schritt in die Selbstständigkeit. Das Mindt® Studio gibt es inzwischen seit fast neun Jahren.
2020 habe ich zusätzlich den Designers’ Well-Being Hub gegründet – eine Plattform für Austausch und gemeinsames Wachstum unter Kreativen. Im letzten Jahr habe ich außerdem begonnen, mich intensiv mit Type Design/Schriftgestaltung zu beschäftigen. Gleichzeitig sehe ich mich immer stärker als Beraterin für Markenstrategie, Kommunikation und Branding. Gerade weil sich der klassische Grafikdesigner-Job stark verändert, werden strategisches Denken und kreative Prozesse immer wichtiger.
Sarah, du kommst aus dem Branding und der visuellen Kommunikation, Jenne aus der Sportswear- und Yoga-Welt – wann und wie haben sich eure Wege das erste Mal gekreuzt?
Sarah:
Ich habe ab 2017 selbst eine Yoga-Lehrerausbildung gemacht und in Leipzig gemeinsam mit meinem Partner ein Studio betrieben, in dem wir Design, Kunst und Yoga verbunden haben. Während der Covid-Zeit habe ich dieses Konzept digital weitergeführt – daraus entstand der Designers’ Well-Being Hub.
Mir war es wichtig, einen Raum speziell für Kreative zu schaffen, in dem nicht nur Yoga praktiziert wird, sondern auch Austausch über berufliche Themen stattfindet. Jenne war von Anfang an Teil des Hubs. So haben wir uns kennengelernt.
Jenne:
Ich bin über eine Freundin und eine Zeitschrift auf das Mindt® Studio aufmerksam geworden. Mich hat die Ästhetik sofort angesprochen, ich habe mich regelrecht in diesen Stil verliebt und bin Sarah auf Instagram gefolgt.
Als ich den Designers’ Well-Being Hub entdeckt habe, wusste ich sofort: Da möchte ich dabei sein. Das war noch vor der offiziellen Gründung meines Labels. Der Austausch im Hub hat mich durch diese Phase sehr getragen – gerade am Anfang einer Selbstständigkeit, wenn viele fachliche, persönliche und emotionale Fragen auftauchen. Anfang 2024 habe ich Sarah dann für mein neues Logo und Signet angefragt – so entstand unsere erste professionelle Kollaboration.

Mit The Muse Retreat geht ihr einen Schritt in Richtung Achtsamkeit und mentale Gesundheit. Was steckt hinter diesem Projekt?
Sarah:
Die Idee, den Designers’ Well-Being Hub ins echte Leben zu holen, gab es schon lange. Anfang 2025 wurde sie sehr präsent. Ich war zu dieser Zeit gerade von einer zweijährigen Reise durch Südostasien und Indien zurückgekehrt, hatte Arbeit und Leben ganz neu erfahren und den Hub inhaltlich neu ausgerichtet. Ich habe Jenne gefragt, ob sie das Retreat mit mir umsetzen möchte – und sie hat sofort Ja gesagt.
Jenne:
Im Hinblick auf die aktuellen globalen Entwicklungen wird mentale Gesundheit künftig noch stärker in den Fokus rücken. Zu wissen, wie wir uns mental gesund halten, ist genauso wichtig, wie sich physisch fit und gesund zu halten – was wir alle mehr oder weniger gelernt haben.
Inhaltlich basiert unser Retreat vor allem auf den Tools, die uns selbst durch unsere kreativen und selbstständigen Wege tragen. Kreative Arbeit kann unglaublich viel Kraft und Inspiration schenken – aber sie kann auch fordernd sein. Deshalb haben wir uns gefragt: Was stärkt uns wirklich langfristig? Yoga, Atemarbeit, ätherische Öle und vor allem ehrlicher Austausch. Das alles inmitten wunderschöner Natur.
Klassisches Netzwerken fällt mir persönlich schwer. Der Rahmen des Designers’ Well-Being Hubs und Yoga als gemeinsamer Nenner haben mir immer geholfen, mich zu öffnen. Genau dieses Gefühl möchten wir schaffen: einen geschützten Raum für echte Gespräche über kreative Arbeit, Herausforderungen und gegenseitige Unterstützung. Gepaart mit Bewegung und Übungen, die Blockaden und Stress im Körper lösen können – sodass wir uns leichter fühlen und wieder Platz für Entfaltung und klare Entscheidungen haben.
Uns ist wichtig, dass Teilnehmende nicht nur Input bekommen und es als einmalige Wellness-Auszeit sehen, sondern eigene Erfahrungen machen, die ihnen helfen, diese Impulse wirklich in ihren Alltag mitzunehmen.
Bei Interesse an einer Teilnahme zum The Muse Retreat, bitte hier auf der Warteliste ( Newsletter) eintragen
Warum ist Well-Being gerade in der Design- und Kreativbranche ein so zentrales Thema für euch geworden?
Jenne:
Kreativität ist für mich eng mit meiner eigenen Essenz verbunden. Genau deshalb kann die Energie in kreativen Berufen schneller erschöpft sein. Kreative Arbeit funktioniert für mich nur, wenn ich wirklich in meiner Kraft bin.
Well-Being bedeutet für mich, ehrlich mit meinen Kapazitäten zu sein, mich abzugrenzen und gesund zu arbeiten – körperlich, mental und emotional. Es ist für mich der Inbegriff von allem, was mich gesund, entscheidungsfähig und verbunden mit mir selbst bleiben lässt.
Sarah:
Das kann ich absolut unterstreichen. Auch wenn Jenne und ich diese Tools gefunden haben und immer weiter erforschen, bleibt es eine Herausforderung, sie wirklich konsequent anzuwenden. Sich Zeit zu nehmen, Pausen einzubauen und Ablenkung zu vermeiden, fällt vielen schwer.
Kreativsein ist anstrengend. Man kann nicht dauerhaft kreativ sein, ohne zwischendurch Kraft zu tanken. Es braucht Energie, Disziplin, Motivation und Passion – und das funktioniert nur, wenn man sich bewusst Entspannung erlaubt, idealerweise bevor es zu spät ist.
Unter ständigem Druck entsteht kaum Raum für echte Kreativität. Die Folgen sehen wir gerade in der Design- und Kreativbranche oft: Burnout, Überforderung und ein ungesunder Umgang mit Arbeitskraft. Besonders als Solo-Selbstständige gibt man schnell zu viel und vergisst sich selbst – mir geht es da manchmal genauso.
Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, die Freude an dieser Craft zu schützen. Genau hier setzt The Muse Retreat an: Wir möchten die Teilnehmenden dabei unterstützen, ihre Muse wieder regelmäßig in ihr Leben zu holen – als Quelle für Kreativität, Energie und Freude.

Zwischen euren eigenen Labels und Projekten wie dem Designers’ Well-Being Hub habt ihr viele Bälle gleichzeitig in der Luft. Wie organisiert ihr euch, um alles unter einen Hut zu bringen – und wo zieht ihr persönlich eure Grenzen?
Jenne:
Das konnte ich ehrlich gesagt lange nicht gut. Ich bin über Jahre von einem Projekt ins nächste gestolpert, habe mich regelmäßig übernommen und trotzdem immer weitergemacht.
Heute gehe ich anders heran: Ich definiere mir bewusst einen Fokus – meist für ein Jahr oder ein halbes. Das hilft mir enorm bei Entscheidungen und bedeutet auch, zu vielen eigentlich spannenden Projekten klar Nein zu sagen.
Ich habe gelernt, ehrlich mit mir selbst und meinen Kapazitäten zu sein. Früher dachte ich, meine Energie sei unendlich – heute bin ich da fast schon schmerzhaft ehrlich. Aber genau das hilft mir, gesund zu bleiben.
Sehr hilfreich ist für mich auch ein kleines, persönliches Netzwerk aus Mentor:innen und Supporter:innen. Ich hole mir gezielt Rat und Unterstützung – und fühle mich als Selbstständige dadurch nicht mehr so allein.
Sarah:
Ich finde es total inspirierend, wie Jenne sich dieses Mentor:innen-Netzwerk aufgebaut hat. Bei mir gibt es auch Fokusphasen, aber sie sind kürzer – ich arbeite eher in Wochen- oder Monatszyklen.
Ich merke, dass sich bestimmte Themen bei mir ganz natürlich abwechseln. Manchmal steht ein Bereich im Vordergrund, dann verschiebt sich der Fokus wieder. Vieles greift dabei ineinander, und das funktioniert gut. Wir sind zyklische Wesen, und ich finde es absolut legitim, die eigene Arbeit daran anzupassen.
Früher habe ich mir oft zu viel vorgenommen. Heute spüre ich über meinen Körper und meine Intuition ziemlich klar, wenn es zu viel wird – und lerne Schritt für Schritt, rechtzeitig darauf zu hören.

Welche Erfahrungen oder vielleicht auch Krisen haben euch gezeigt, wie wichtig Selbstfürsorge im kreativen Prozess ist?
Sarah:
Ich erzähle dafür gern ein sehr persönliches Beispiel. Für mich ist Selbstfürsorge ein langer Prozess der Selbsterkenntnis – und ehrlich gesagt steckt man da ständig mittendrin.
2019 bin ich plötzlich an einer Trigeminusneuralgie erkrankt. Die Schmerzen haben mein Leben massiv eingeschränkt. Trotzdem habe ich weiterfunktioniert: Mein Studio war erst zwei Jahre alt, ich habe Projekte umgesetzt, Yoga unterrichtet, Workshops organisiert und Veranstaltungen wie „Ladies, Wine & Design“ gehostet. Nachts konnte ich oft vor Schmerzen nicht schlafen – tagsüber lief alles weiter.
Medikamente haben irgendwann geholfen, aber ich habe mir trotzdem keine echte Erholungszeit genommen. Heute, Jahre später, habe ich das Gefühl, dass mein Körper und meine Seele das erst jetzt nachholen. Ich brauche viel Schlaf, und rückblickend frage ich mich natürlich, was die Ursachen waren und welche Auswirkungen das langfristig hatte.
Erst als ich 2022 Deutschland verlassen habe und mit Abstand auf mein Leben schauen konnte, habe ich begonnen, vieles wirklich zu verarbeiten. Die Erkrankung war für mich ein sichtbarer Ausdruck von etwas, das sich über Jahre aufgebaut hatte – Stress, Sorgen und Existenzängste.
Obwohl ich viele Tools hatte und nutzte – Yoga, Meditation, gesunde Ernährung –, war die Gesamtbelastung einfach zu hoch. Erst mit echter Ruhe und Zeit zur Reflexion konnte sich etwas lösen.
Heute weiß ich: Selbstfürsorge ist nicht nur wichtig, um kreativ zu sein, sondern essenziell, um langfristig gesund zu bleiben und nachhaltig arbeiten zu können – besonders in der Selbstständigkeit. Ideal wäre, damit zu beginnen, bevor der Körper Alarm schlägt. Denn wenn man diesen Punkt überschritten hat, braucht es sehr viel Zeit, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Jenne:
Bei mir war es anders – aber im Kern ähnlich. Ich habe mich total übernommen und einfach nur noch funktioniert, obwohl ich viele der Tools eigentlich schon kannte. Stress, gepaart mit Existenzängsten, war einer der größten Faktoren, und ich musste erst lernen, überhaupt mit dieser neuen Form von Stress umzugehen.
Mein Körper hat mir lange Signale geschickt, aber ich habe sie ignoriert. Dazu kamen Herausforderungen, auf die ich nicht vorbereitet war.
Erst viel später – im Ausland, in der Natur, mit mehr Raum zum Atmen – konnte ich das wirklich verarbeiten und daran wachsen. Heute haben Yoga, Atmung und bewusstes Innehalten einen festen Platz in meinem Alltag und helfen mir, mit Überforderung und Herausforderungen besser umzugehen.
Was sind eure aktuellen Ziele – für euch als Selbstständige, aber auch für euer gemeinsames Projekt?
Jenne:
Mein klarer Fokus liegt aktuell auf OH OH OM Ethical Sportswear. Das Label weiter aufzubauen, ist mein zentrales Ziel. Im letzten Jahr lag der Schwerpunkt stark auf dem Aufbau meines eigenen E-Commerce-Shops, und das wird auch im kommenden Jahr wichtig bleiben.
Dazu kommt der Wunsch nach mehr Struktur in den Abläufen.
Freiheit ist für mich ein zentraler Wert. Deshalb baue ich das Label bewusst so auf, dass ich ortsunabhängig arbeiten kann. In den ersten Jahren lag mein Fokus stark auf Produktentwicklung, Kreislauffähigkeit und Design. Marketing habe ich lange vor mir hergeschoben. Heute weiß ich: Früh damit anzufangen, ist entscheidend.
Inzwischen arbeite ich mit einem kleinen Team und möchte stärker in unternehmerische Themen wie Strategie, Struktur und Controlling hineinwachsen. Außerdem arbeite ich daran AI immer mehr in meinen Arbeitsalltag zu integrieren, da ich hier, vor allem für kleine Labels und Solo - Selbstständige, großes Potential sehe.
Sarah:
Ich habe vor Kurzem meine erste eigene Schrift „Bárur“ veröffentlicht und möchte diesen Bereich weiter ausbauen – mit neuen Schriften und einem eigenen Shop.
Statt über externe Plattformen habe ich mich bewusst für den Vertrieb über meine eigene Website entschieden – mit dem Wunsch, langfristig stärker auf digitale Produkte zu setzen und mich etwas von der reinen Dienstleistung zu lösen.
Mein übergeordnetes Ziel ist ebenfalls Freiheit: ortsunabhängig arbeiten, flexibel bleiben und mein eigenes Tempo bestimmen – und dabei wirklich Freude an dem haben, was ich tue.
Für den Designers’ Well-Being Hub wünsche ich mir noch mehr Sichtbarkeit und neue Mitglieder. Besonders freue ich mich darauf, gemeinsam mit Jenne das Retreat weiterzuentwickeln – und sie endlich einmal persönlich kennenzulernen, denn tatsächlich kennen wir uns bis jetzt nur digital.




Wie seht ihr die Zukunft des kreativen Arbeitens – zwischen Selbstständigkeit, Kollaboration und Nachhaltigkeit?
Sarah:
Für mich ist Achtsamkeit ein zentrales Wort. In meiner Arbeit sehne ich mich zunehmend nach Langsamkeit, nach Handmade, Qualität und Dingen, die mit Sorgfalt entstehen – weg von „schnell und günstig“, entgegen vieler KI-Entwicklungen.
Nachhaltigkeit bezieht sich für mich dabei nicht nur auf ökologische Aspekte, sondern vor allem auch auf den achtsamen Umgang mit den eigenen Ressourcen: Wie arbeiten wir? Wie gehen wir mit unserer Energie um?
Kollaboration sehe ich klar als Zukunftsmodell. Gerade wenn man viel alleine arbeitet, entsteht durch Zusammenarbeit eine starke Power. Wenn mehrere Kreativschaffende zusammenkommen, empfinde ich das als sehr energetisierend – und ich liebe diese gemeinsamen Projekte sehr.
Jenne:
Ich sehe die Zukunft voller Nachhaltigkeit. Wir brauchen Menschen, die sich trauen, anders zu denken und anders zu sein. Die bereit sind, kreative Lösungen zu finden und vor allem, diese dann auch umzusetzen.
Für mich ist Nachhaltigkeit dann gegeben, wenn etwas sinnhaft und ehrlich ist – Sinn plus Ehrlichkeit ergibt Nachhaltigkeit.
In der Entwicklung von KI sehe ich auch etwas Positives: Sie nimmt uns das reine Wissen und die Fleißarbeit ab und gibt uns dadurch vielleicht mehr Raum, uns auf das zu konzentrieren, was wir als sinnvoll empfinden – auf das, was uns Freude macht und dem großen Ganzen dient.

Wenn ihr euch selbst vor fünf Jahren eine Nachricht schicken könntet – was würdet ihr euch raten?
Jenne:
Ich habe einfach mal drauflosgeschrieben, und es kam ein Mix aus Deutsch und Englisch heraus:
Slow down. Spend more time in nature. You already know. Let go. Alles kommt zur richtigen Zeit. No rush. Flow, not force. Don’t forget to make time for sport. Focus on one thing at a time. Riesen Berg an Aufgaben? Pick one. Schreibe einen Actionplan. Go one week off and do it. Nochmal, damit ich es nicht vergesse: Spend plenty of time in nature. Iss keinen Scheiß. Ernähr dich gut.
Sarah:
Hier merkt man auf jeden Fall, wie ähnlich wir ticken. Ich habe mir geschrieben:
Take care of yourself first. Ruhe dich aus. Priorisiere alles, was dir guttut. Sei kreativ. Nimm Pinsel und Farben in die Hand. Bewege dich. Geh raus in die Natur. Und vertraue dir selbst. Denn alles steckt bereits in dir. Auch wenn es manchmal genau das Gegenteil von dem ist, was alle anderen machen. Du bist stark und kannst alles schaffen – aber nur, wenn es dir dabei gut geht.
Und umgekehrt: Was wünscht ihr euch für die nächste Generation von Designer:innen und Kreativen?
Sarah:
Ich wünsche mir eine Bewegung weg von ungesunden Vergleichen. Weg von diesem ständigen Hustlen und Performen-Müssen. Weg von falschen Eindrücken wie „Fake it till you make it“ und auch weg von dem starken Fokus auf das reine Ergebnis.
Stattdessen wünsche ich mir eine Bewegung hin zu mehr Ehrlichkeit, mehr Authentizität und zu einer echten Wertschätzung des Prozesses an sich. Dass der Impact von Kreativität anerkannt wird – auch außerhalb unserer eigenen Bubble. Denn wir brauchen kreative Menschen in dieser Welt.
Ich wünsche mir, dass kreative Berufe als genauso legitim und wertvoll angesehen werden wie jeder andere Job. Und ganz ehrlich: auch eine bessere Vergütung – für die nächste Generation, aber gern auch für uns.
Außerdem wünsche ich mir ein bewusst integriertes Arbeits- und Privatleben. Kreativität schaltet man ja nicht einfach ab, nur weil Feierabend ist. Wir sind ganzheitliche Wesen, und wir lieben, was wir tun. Idealerweise geht dieser Kern auch den kommenden Generationen nicht verloren.
Ein absoluter Traum wäre ein Grundeinkommen für Künstler:innen, wie es in Irland eingeführt wird. Denn viele Kreative leiden unter gesellschaftlichen Strukturen, die stark auf klassische 9-to-5-Jobs ausgelegt sind – Strukturen, die oft nicht zu kreativen Lebens- und Arbeitsweisen passen.
Ich wünsche mir, dass mehr Menschen die Möglichkeit bekommen, in Selbstausdruck, Selbstbestimmung und Flow zu kommen. Und dass sie sich das erlauben dürfen – oder dass es ihnen gesellschaftlich leichter gemacht wird, diesen Weg zu gehen. Zu sagen: Ich verfolge meine Ideen, meine Vision. Ich traue mich.
Jenne:
Ich wünsche mir, dass Selbstfürsorge und Well-Being etwas ganz Selbstverständliches werden. Etwas Essenzielles. Und dass wir das viel früher integrieren – zum Beispiel in der Schule.
Damit meine ich gar nicht Spiritualität, sondern ganz konkrete Tools und Strukturen, die Menschen dabei unterstützen, gesund, stabil und in ihrer Kraft zu bleiben. Dass Well-Being einen ganz anderen Stellenwert bekommt und nicht mehr so exotisch oder „nice to have“ ist.
Außerdem wünsche ich mir, dass sich immer mehr Unternehmen ethisch ausrichten. Dass es viele gute Arbeitgeber gibt, zwischen denen sich die nächste Generation bewusst entscheiden kann. Da bewegt sich schon etwas – aber ich hoffe, dass das kein Nischenthema bleibt, sondern zur Normalität wird.
Vor allem wünsche ich mir, dass wir es schaffen, uns mehr von unseren Handys zu lösen und weniger Zeit mit dummem Herumscrollen zu verbringen. Stattdessen lieber eigene kreative Gedanken formen – und dass diese Fähigkeit nicht verlernt wird.
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