Karin Rocke
Karin Rocke ist eine Modedesignerin mit beeindruckendem Werdegang und einer tief verwurzelten Leidenschaft für Handwerk und Ästhetik. Bereits in ihrer Kindheit war sie von Mode umgeben – geprägt durch ihre Mutter und Großmutter, die ihr ein feines Gespür für Stoffe, Schnitte und handwerkliche Qualität mit auf den Weg gaben. Ihre Reise führte sie schließlich nach Paris, wo sie viele Jahre bei Yves Saint Laurent tätig war und wertvolle Einblicke in die Welt der Mode gewann. Heute bringt sie ihre internationale Erfahrung, ihre kreative Handschrift und ihr hervorragendes Gespür für Garnqualitäten in ihre eigene Kollektion ein. Ich kenne Karin über den moclue Stammtisch - und freue mich sehr, in diesem Gespräch mehr über ihre Geschichte, ihre Einflüsse und ihre Vision von Mode zu erfahren.

©Karin Rocke
Was hat dich inspiriert, Modedesignerin zu werden?
Ich bin mit Mode aufgewachsen - meine Mutter und Großmutter haben viel genäht und gestrickt. Mein Zimmer war direkt neben dem Atelier meiner Mutter, wo ständig Stoffe, Farben und Schnitte entstanden. Außerdem lagen bei uns immer Modezeitschriften wie Vogue oder Madame herum, die ich als Teenager begeistert durchgeblättert habe. Meine Mutter und ich sind oft nach Paris gefahren und als ich dann in der Sendung "Neues vom Kleidermarkt" von Antonia Hilke die Shows von Designern wie Yohji Yamamoto, Yves Saint Laurent und Montana gesehen habe, wusste ich, dass ich da mitmachen will.
Hast du direkt nach der Schule Modedesign studiert?
Zuerst habe ich eine Schneiderlehre gemacht - das war damals noch üblich. Rückblickend bin ich sehr froh darüber, weil es mir immer wieder geholfen hat. Danach habe ich dann Modedesign in Hamburg, an der Armgartstraße studiert und bin danach direkt nach Paris zu Bless gegangen.
Wie würdest du den Stil und die Philosophie deines Labels beschreiben?
Mein Label steht für hochwertige Qualität und besondere Materialien. Es geht mir darum, dass man sich in meinen Stücken wohl fühlt - und sie haben immer einen besonderen Twist. Nichts ist basic. Ich denke viel darüber nach, ob ein Ärmel schmal oder weit sein soll, ob das Volumen luftig oder eher figurbetont fällt. Es steckt in jedem Design eine bewusste Entscheidung. Meine Kleidungsstücke sind wie eine inspirierende Persönlichkeit - sie haben Ausstrahlung, Qualität und einen angenehmen Sinn für Understatement. Man fühlt sich einfach gut darin.
Welche Herausforderungen gab es bei der Gründung deines Labels?
Die Herausforderungen hören eigentlich nie auf — sei die Suche nach guten Lieferanten oder die Produktion. Das ist nicht nur am Anfang so, das begleitet mich bis heute. Ich habe mal ein Interview mit Jil Sander gesehen, in dem sie sagte: Man muss seinen Rucksack immer neu schnüren. Das verstehe ich inzwischen sehr gut. Die Modebranche ist unglaublich dynamisch, und die Geschwindigkeit nimmt immer weiter zu. Das hat Auswirkungen auf Qualität und Kreativität — viel zu oft geht es nur noch um Schnelligkeit und Kopien.
Wie hat sich dein Geschäftsmodell im Laufe der Zeit verändert?
Ich habe mich mittlerweile stark auf das Online-Business konzentriert, dadurch kann ich meinen Kundinnen direkt einen besseren Preis für hochwertige Qualität bieten.
Was mir dabei besonders wichtig ist: Ich habe viel Kontakt zu meinen Kundinnen. Ich bekomme E-Mails und Briefe, in denen mir gesagt wird, wie toll die Ware ist - das freut mich natürlich sehr. Neu habe ich auch Kundenbewertungen auf meiner Website integriert, was für neue Besucher spannend ist. Immer wieder wird dabei das Material gelobt. Ich habe das Gefühl, dass das Gespür für hochwertige Materialien etwas verloren gegangen ist - oft durch die Vielzahl an Mischgeweben und weniger langlebigen Materialien auf dem Markt. Mit meinen Produkten möchte ich bewusst einen anderen Weg gehen.
Du hast über zehn Jahre in Paris gelebt. Wie hat diese Zeit deine Sicht auf Mode und Design geprägt?
Ich war schon vorher oft in Paris und bin auch jetzt regelmäßig dort. Die Stadt ist einfach anders - Mode ist allgegenwärtig und spürbar. Das hat mich nachhaltig inspiriert. Französinnen haben ein besonderes Gespür für Mode - verführerisch und lässig zugleich. In Frankreich wird Mode nicht nur getragen, sondern gelebt. Vor allem in Paris ist sie Teil der Kultur. Das macht auch das Arbeitsumfeld emotionaler und kreativer.
Wie unterscheidet sich die Modeszene in Paris von der in Hamburg?
Paris gilt als Modehauptstadt - hier ist mehr Raum für Individualität und stilistische Freiheit. In Hamburg dominiert oft ein zurückhaltender, funktionaler Stil, gerade im Winter. Ich selbst mag Understatement, aber ohne Uniformität. Für mich geht es um klare Linien, besondere Materialien und einen bewussten Ausdruck – auch bei Kälte.
Wie war das Arbeiten in Paris im Vergleich zu Hamburg?
In Paris war ich Teil eines großen Teams, oft 15 Leute, aber der Austausch mit Designern aus anderen Häusern war kaum möglich - dafür war die Arbeit zu intensiv. Ich habe meist von Montag bis Sonntag durchgearbeitet. Denn Sonntags um 17 Uhr mussten die neuesten Entwürfe bereits zur Besprechung mit der Direktion fertig sein. In Deutschland habe ich unter anderem bei Strenesse gearbeitet. Gabriele Strehle hatte ein unglaubliches Talent, tolle Menschen um sich zu versammeln. Ich habe aus dieser Zeit noch mindestens fünf enge Freundinnen - wir tauschen uns immer noch regelmäßig aus, geben uns Tipps und helfen uns gegenseitig, etwa wenn ich auf der Suche nach besonderen Stoffen bin.
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Wie hast du den Übergang von der Arbeit in einem großen Modehaus zur eigenen Marke erlebt?
Als ich schwanger wurde, stand ich an einem Wendepunkt. Ich hatte einige Vorstellungsgespräche in Paris, aber es hat mich nicht mehr so gepackt wie früher. Also haben wir uns entschieden, nach Hamburg zurückzukehren - und ich habe mich selbstständig gemacht.
Der Übergang war eine Herausforderung: Plötzlich musste ich alles alleine entscheiden. In einem großen Modehaus entwickelt man oft mehrere Prototypen, probiert aus. Als Selbstständige muss man direkt ins Schwarze treffen - es bleibt weder Zeit noch Budget für Experimente. Und was mir wirklich gefehlt hat, war der Austausch. Ich bin eigentlich ein Teamplayer, aber wenn man allein arbeitet, hat man keine Kollegen. Die Kommunikation beschränkt sich auf Lieferanten - das ist eine ganz andere Dynamik.
Was fasziniert dich so an Strick? Und warum hast du dich auf Knitwear spezialisiert?
Lustigerweise war das gar nicht von Anfang an der Plan. Strick ist irgendwann einfach zum Schwerpunkt geworden. Ursprünglich hatte ich eine Vertriebsagentur, die keine Konfektionsware verkaufen wollte - dadurch bin ich mehr und mehr in den Strickbereich gerutscht.
Manchmal passieren Dinge ganz zufällig: Ich hatte einmal einen Rock nur für ein Fotoshooting entworfen. Den habe ich dann einer Bloggerin mitgeschickt, damit das Outfit stimmig aussieht. Der Rock ging durch die Decke und hat sich tausendmal besser verkauft als die eigentlichen Strickteile. Plötzlich war ich mitten in der Rockproduktion. Ich hatte einen wunderschönen Stoffrest von elf Metern ergattert - kaum war der Rock online, hatte ich 60 Bestellungen im Postfach und musste erst einmal schauen, woher ich schnell das Material bekomme.
Das zeigt mir immer wieder: Mode ist in ständiger Bewegung. Man muss flexibel bleiben und spüren, was die Kundinnen gerade wollen. Strick bleibt zwar ein fester Bestandteil meines Labels, aber mein Angebot wird fokussierter. Neben reiner Merinowolle arbeite ich jetzt auch mit einer Mischung aus 70 % Merino und 30 % Kaschmir. Mir ist wichtig, Materialien für verschiedene Temperaturen anzubieten – gerade weil das für uns Frauen oft entscheidend ist.
Wo verkaufst du deine Kollektionen? Nur in Deutschland?
Ganz am Anfang habe ich tatsächlich in Japan verkauft. Der Einstieg in den deutschen Markt war zunächst nicht einfach. Also bin ich zur Messe nach Paris gefahren – mit sechs Oversize-Pullovern in Weiß, Rot, Blau und Grau. Mehr hatte ich nicht. Ich habe die Pullover nebeneinander gehängt, ein starkes Foto daneben – und das war’s. Ich stand mit fünf anderen neuen Designern dort und bekam direkt drei große Bestellungen, aus Japan und den USA. Das Geschäft aus den USA bestellt übrigens bis heute.
Wann hast du gemerkt, dass du eine richtige Stammkundschaft hast?
Das hat ungefähr drei Jahre gedauert. Am Anfang sind es Freunde und Bekannte, aber irgendwann merkt man, dass die Bestellungen von immer denselben Namen kommen. Das ist ein tolles Gefühl. Fast jede Kundin, die einmal bei mir bestellt hat, kommt wieder. Das bestätigt mich in meiner Arbeit - vor allem, weil ich alles selbst mache und keinen Vertrieb mehr habe.
Sind die meisten deiner Kund*innen aus Hamburg?
Interessanterweise nicht. Ich habe viele Kundinnen aus Frankreich, Italien und quer durch Deutschland - oft aus Orten, von denen ich noch nie gehört habe. Das zeigt, wie wunderbar der Onlinehandel funktioniert.

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Und in welcher Altersklasse sind deine Kund*innen?
Ganz unterschiedlich - von 30 bis 80, vielleicht sogar 90. Wer weiß!
Wie hast du dich im Laufe deiner Karriere in der Modebranche vernetzt?
Das passiert oft ganz automatisch. Während meiner Zeit bei Strenesse habe ich mich direkt mit Kolleginnen und Kollegen angefreundet, ebenso bei Saint Laurent, wo ich immer noch Kontakte pflege.
Im Dezember hatte ich einen Pop-Up-Store in Paris - zusammen mit HappyHaus.fr, einer deutschen Designerin in Frankreich. Wir haben gemeinsam einen kleinen Laden in der Rue de l’Université eröffnet. Es war toll zu sehen, wie viele ehemalige Kolleginnen und Kollegen von Saint Laurent vorbeikamen. Meine frühere Schnittmacherin hat sich sogar komplett bei mir eingekleidet und meinte die Feinheiten und Details seien “typisch Karin”.
Auch auf Messen knüpft man viele Kontakte. Man trifft Designer, die vielleicht ganz andere Schwerpunkte haben, zum Beispiel Sandy, die Jeans macht, aber am Ende haben wir alle mit ähnliche Herausforderungen zutun. Manchmal braucht man einfach jemanden, den man anrufen kann, um zu fragen: “Ist dir das auch schon passiert?”

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Hast du das Gefühl, dein Stil wird als “typisch deutsch” wahrgenommen?
Nein, das eher nicht. Aber es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich Kundinnen einkaufen – je nach Land, Mentalität und Kontext. Bei Saint Laurent bin ich morgens oft extra früh ins Büro, um in Ruhe kreativ arbeiten zu können, bevor der Trubel begann. Die Präsidentin kam um diese Uhrzeit schon mal durchs Haus und hat sich über meine deutsche Pünktlichkeit amüsiert.
Welchen Rat würdest du jungen Designerinnen geben, die heute durchstarten wollen?
Ich würde ihnen raten, nicht direkt den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Es ist so wertvoll, zuerst in einem Modehaus zu arbeiten und zu lernen, wie das Alles wirklich funktioniert. Man sollte die Produktion selbst verstehen, die Stoffe anfassen, Schnitte ausprobieren. Materialien muß man verstehen, um gute Resultate zu erzielen.
Wie wichtig ist handwerkliches Wissen für dich als Designerin?
Für mich war es immer essenziell, ein solides handwerkliches Fundament zu haben. Ich wusste im Atelier genau, wovon ich rede, weil ich selbst Schnitte erstellen und nähen konnte. Es war mir wichtig, nicht nur Ideen zu liefern, sondern im Zweifel auch selbst eingreifen zu können und zu zeigen: So funktioniert das.
Ein tiefes Verständnis für Materialien gehört für mich genauso dazu. Wo kommt der Stoff her? Wie wurde er verarbeitet? Man muss das Material anfassen, spüren und damit arbeiten. Mein ehemaliger Praktikant meinte mal, das sei eine der wichtigsten Sachen, die er von mir gelernt hat: Materialien nicht nur anzuschauen, sondern zu fühlen. Ist das ein Crêpe? Ist der Faden stark gedreht? Ist der Stoff gewalkt? Das sind Dinge, die man an der Hochschule kurz lernt - später aber noch unendlich vertiefen kann. Ich finde es essenziell, das Material erst zu begreifen, bevor man damit arbeitet. Wie reagiert es, wenn man daran zieht oder es knüllt? Lässt es sich schön drapieren, oder bricht es? Dieses Wissen macht einen großen Unterschied im Designprozess.
Hast du das Gefühl, dass junge Designer*innen heute weniger Wert auf dieses Wissen legen?
Das kann ich nicht sagen, oft sind Designer auch gar nicht mehr dabei, wenn es um Fast Fashion geht.
Manche Designs sind beeindruckend gut kopiert - gerade im Strickbereich. Da ist das Material zwar oft minderwertig, aber die Verarbeitung und der Sitz stimmt trotzdem. Ich bekomme viel Feedback von meinen Kundinnen, gerade von denen in meinem Alter. Sie sagen oft: “Das fühlt sich an wie früher - so gute Qualität findet man kaum noch.” Das macht mich einerseits stolz, andererseits finde ich es auch besorgniserregend, dass diese Wertigkeit vielerorts verloren geht.
Wer waren deine größten Vorbilder und wie haben sie dich beeinflusst?
Ich tue mich schwer mit dem Begriff “Vorbilder” - aber es gab definitiv Menschen, die mich stark geprägt haben. Als ich nach Paris kam und bei Saint Laurent angefangen habe, war das für mich eine völlig neue Welt. Plötzlich war ich von Leuten umgeben, die meine Leidenschaft für diese Welt der Stoffe, Silhouetten und Mode generell teilten - und die viel mehr darüber wussten, als ich damals. Und dann kamen Lieferanten, die soviel know how hatten. Dass ich nicht in die Firma morgens gerannt bin, ist im Nachhinein ein Wunder.
Ein richtiges Vorbild hatte ich vielleicht nicht, aber ich habe unglaublich gern mit Stefano Pilati (Creative Director bei YSL) gearbeitet. Das waren viele intensive Jahre, aus denen ich so viel mitgenommen habe. Auch Gabriele Strehle hat mich sehr inspiriert. Es war nicht nur die Arbeit an sich - es war ihre Art, Dinge zu sehen, zu gestalten, Entscheidungen zu treffen.
Hast du ein Beispiel dafür?
Ich erinnere mich oft an eine der ersten Jersey-Anproben mit Stefano. Es war Hochsommer, unerträglich heiß, und wir arbeiteten an T-Shirts. Es ging nur um die Feinheiten am Rand - Finishings, 2-needle oder 1- needle. Wir waren zu dritt: Ilaria, Stefano und ich. Plötzlich guckt er mich an und sagt: “Karin, du trägst Helmut, oder?” - Helmut Lang natürlich. Das war so eine eigene Welt, ein bisschen nerdig, aber unglaublich spannend.
Wie alt warst du, als du bei Yves Saint Laurent angefangen hast?
Ich war 30. Ich hatte eine Schneiderlehre, das Studium und das Assistenzjahr bei Bless hinter mir.
Wie hast du den Job bei Yves Saint Laurent bekommen?
Ich war vorher bei Bless in Paris, ein Label, das von zwei deutschen Designerinnen geführt wird, eine in Berlin, eine in Paris. In Paris habe ich für Désirée gearbeitet, die auch als Stylistin fürs Self Service Magazin tätig war.
Durch diese Arbeit konnte ich auch die großen Shows sehen - ich sah dort erstmals Azzedine Alaïa nicht auf dem Bildschirm. Ich habe Paris inhaliert.
Nach meiner Assistenz bei Bless war ich schon innerlich bereit, nach Deutschland zurück zugehen, weil ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Und dann - kaum zu glauben, rief Louis Vuitton an. Und Yves Saint Laurent auch. Beide wollten mich. Beide riefen am selben Nachmittag an.
Wow, und warum hast du dich für Yves Saint Laurent entschieden?
Das war immer mein Traum. Damals hatte Yves Saint Laurent auch mehr mit Bekleidung zu tun als Louis Vuitton.
Hast du mal einen Ratschlag, der dich besonders geprägt hat?
Einen ganz bestimmten Ratschlag nicht, aber ich hatte das große Glück, immer Menschen um mich zu haben, die mich unterstützt haben - allen voran eine Freundin in Paris, mit der ich damals zusammengelebt habe. Sie war wie eine Mentorin für mich. Sie hat mir immer ehrlich gesagt, was gut ist und was nicht. Sie hat selbst nicht in der Modebranche gearbeitet, daher hatte sie eine gewisse Distanz. Und meine Familie hat mich immer unterstützt. Das war enorm wichtig.
Du hast dein Label umgestellt, was war der Auslöser dafür?
Ich habe gemerkt, dass ich mich auf das Wesentliche konzentrieren möchte. Wenn man mit Agenturen arbeitet, muss man oft ganze Kollektionen liefern, mindestens 20 Teile. Am Ende verkaufen sich dann aber vielleicht nur fünf wirklich gut. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich will lieber einzelne, auf den Punkt gebrachte Styles auf den Markt bringen.

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Welche Projekte beschäftigen dich gerade?
Kürzlich durfte ich für eine Produzentin ein Kleid für die Berlinale entwerfen - das war eine wunderbare Abwechslung.Und ich überarbeite gerade meinen Onlineshop, aber das ist ein fortlaufender Prozess. Es muss nicht nur technisch stimmen, auch die Fotos müssen perfekt sein - das ist im Grunde mein virtuelles Schaufenster.
Wie siehst du die Zukunft der Modebranche?
Ich glaube, das Gespür für gutes Material geht bei vielen verloren - gleichzeitig sehnen sich aber immer mehr Menschen genau danach: Qualität, gute Schnitte und hochwertige Stoffe. Nachhaltigkeit ist dabei natürlich ein Riesenthema. Ich arbeite zum Beispiel mit Deadstock-Stoffen für meine Konfektion und verwende cruelty-free Merinowolle, lizenzierten Qualitäten.
Blickst du eher optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft?
Ich bin optimistisch. Mein neues Konzept fühlt sich richtig an, und ich freue mich darauf, damit weiterzumachen. Ich wünsche mir, dass die Menschen bewusster konsumieren, mal ins Etikett schauen und sich fragen: “Was trage ich hier eigentlich?”. Produkte verdienen mehr Wertschätzung. Lieber ein Modell weniger im Schrank...